Wildnistraining.de im Interview – Survival, Bushcraft und Natur erleben
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Zwischen Lagerfeuer, Wildkräutern und echter Naturverbundenheit – zu Besuch bei Wildnistraining.de
Wann habt ihr das letzte Mal bewusst dem Wind in den Bäumen gelauscht, die Sterne ohne Lichtverschmutzung betrachtet oder ein Feuer ohne Feuerzeug entzündet? Für viele Menschen sind solche Erlebnisse längst zur Ausnahme geworden. Genau hier setzt Wildnistraining.de an. Seit mehr als 25 Jahren vermittelt die Wildnisschule Wissen rund um Survival, Bushcraft und Naturverbindung – und zeigt dabei, dass Wildnis weit mehr ist als das bloße Überleben im Wald.
Für diesen Artikel haben wir mit Pascal Koch gesprochen, Geschäftsführer von Wildnistraining.de und erfahrener Wildnislehrer. Im Interview erzählt er, warum die meisten Menschen deutlich „wildnistauglicher“ sind als sie denken, welche Fähigkeiten in unserer digitalen Welt verloren gehen und weshalb ein Wochenende in der Natur manchmal mehr bewirken kann als ein ganzer Urlaub.
Bevor wir ins Dickicht starten: Wer seid ihr eigentlich?
Mein Name ist Pascal Koch (Jahrgang 1974) und ich bin seit 2025 Geschäftsführer von Wildnistraining.de. Ich bin Wildnislehrer mit jahrzehntelanger Erfahrung in den Bereichen Outdoor, Survival, Bushcraft, Jagen und Krisenvorsorge.
Die Wildnisschule selbst blickt auf eine Geschichte von über 25 Jahren zurück und gehört damit zu den Pionieren in Deutschland. Unsere Wurzeln reichen zurück zu den Anfängen der modernen Wildnisbewegung. Unser Gründer, Uwe Belz, reiste vor mehr als zwei Jahrzehnten in die USA, um bei Tom Brown Jr. zu lernen.
Heute vermittelt ein ganzes Team von Trainern dieses Wissen mit viel Freude und Herzblut an einem ganz besonderen Ort: Unser 4 Hektar großes Wildniscamp liegt in der Eifel, mitten im deutsch-belgischen Naturpark. Umgeben von Wald, mit urigen Blockhütten, Lagerfeuerstellen und eigenem Wald. Dieser Ort ist etwas ganz Besonderes.
Was kann man bei euch eigentlich alles erleben?
Die kurze Antwort lautet: deutlich mehr als viele zunächst erwarten.
Natürlich bieten wir klassische Wildnis- und Survivaltrainings an. Dort lernt man beispielsweise Feuer ohne moderne Hilfsmittel zu machen, Wasser aufzubereiten, Schutzbehausungen zu bauen, Spuren zu lesen oder sich sicher in der Natur zu orientieren.
Daneben gibt es aber auch zahlreiche Familienangebote, Seminare zu Spezialthemen wie Wildkräuter, Vogelsprache, Fährtenlesen oder Outdoor Erste Hilfe sowie einige Kurse, die den Fokus auf Themen der persönlichen Entwicklung legen. Dabei geht es dann mehr um die Frage, wie uns die Natur helfen kann, wieder mehr Klarheit, Ruhe und Verbindung im eigenen Leben zu finden. Die Wildnispädagogik ist ein weiterer Bereich, bei dem wir in Kooperation mit der Naturschule Deutschland e.V. eine zertifizierte, einjährige Weiterbildung anbieten, die sich an Personen in pädagogischen und sozialen Berufen richtet. Und auch an alle, die eine besonders intensive Wildnis-Erfahrung machen möchten.

Gibt es ein Angebot, das ihr Einsteigern als erstes Abenteuer empfehlen würdet?
Für Erwachsene ist der „Wildnis Basis“ Kurs immer ein sehr guter Einstieg in die Welt des Survivals. Generell braucht man bei uns aber nur bei ganz wenigen Kursen Vorkenntnisse. Bei uns ist jede/r willkommen, der offen und neugierig ist.
Hand aufs Herz: Wie „wildnistauglich“ ist der durchschnittliche Deutsche?
Viel wildnistauglicher, als er selbst glaubt. Die meisten Menschen bringen bereits viele Fähigkeiten mit, haben aber den Zugang dazu ein Stück weit verloren.
Unsere Teilnehmer sind unglaublich vielfältig: Von Familien, die gemeinsam Zeit draußen verbringen möchten über Survival-Profis, die ihr Wissen ausbauen oder trainieren möchten bis hin zu Menschen, die einfach mal eine Auszeit aus der digitalen Welt suchen.
Was wir allen vermitteln und was auch Teil unserer Philosophie ist: Es geht viel weniger ums Überleben und den „Kampf gegen die Natur“ als darum, sich draußen wieder zuhause und in der Natur „heimisch“ zu fühlen.

Wenn ihr einen typischen Anfänger zwischen 20 und 60 Jahren vor euch habt – welche drei Fähigkeiten fehlen ihm am häufigsten, wenn er plötzlich ohne WLAN im Wald steht?
Das ist schwer zu sagen – ganz nach dem Survival-Prinzip schauen wir ja generell immer eher auf die Ressourcen („Was ist schon da?“) als auf das, was fehlt. 😉 Ich habe es trotzdem mal versucht:
Erstens: Viele verlassen sich heute vollständig auf digitale Hilfsmittel. Wenn das Smartphone wegfällt, wird es schnell spannend.
Zweitens: Wahrnehmung. Die Natur hält so viele Geheimnisse und Informationen bereit. Tiere, Pflanzen, Geräusche – wer lernt, wieder aufmerksam hinzuschauen, entdeckt unglaublich viel. Diese Fähigkeit ist oft verschüttet, aber erstaunlich schnell wieder da.
Und drittens: Selbstvertrauen. Viele Menschen unterschätzen sich selbst. Nach einem Wochenende im Camp merken sie plötzlich: Ich kann ein Feuer machen, draußen schlafen, mich orientieren und Herausforderungen meistern. Dieses Selbstvertrauen ist oft die wertvollste Erkenntnis überhaupt.

Was war euer größter „Das war vielleicht keine gute Idee“-Moment?
Wer viel Zeit draußen verbringt, sammelt natürlich Geschichten. Eine einzelne Anekdote hervorzuheben ist gar nicht so einfach, denn meistens sind es die kleinen Dinge, die später für die größten Lacher sorgen. Das Wetter entwickelt plötzlich seine ganz eigenen Pläne oder eine Nachtwanderung wird deutlich spannender als ursprünglich gedacht.
Die Wahrheit ist: Genau diese ungeplanten Momente machen viele der schönsten Erinnerungen aus. Viele Jahre später am Lagerfeuer spricht kaum jemand über den perfekt durchgeführten Kursablauf. Alle erinnern sich an die Situationen, in denen improvisiert, gemeinsam gelacht und als Gruppe zusammengehalten wurde.
Wenn ihr nur einen einzigen Wildnis-Tipp weitergeben dürftet – welcher wäre das?
Lerne, wirklich wahrzunehmen.
Viele Menschen denken bei Wildnisfertigkeiten zuerst an Skills wie Feuermachen oder an eine perfekte Ausrüstung. Das alles ist nützlich. Die wichtigste Fähigkeit ist aber Aufmerksamkeit. Wer aufmerksam beobachtet, erkennt Wetterveränderungen früher, findet bessere Wege, entdeckt Ressourcen, bemerkt Gefahren rechtzeitig und erlebt die Natur viel intensiver.
Diese Fähigkeit hilft nicht nur draußen. Sie verändert oft auch den Alltag. Viele Teilnehmer erzählen uns nach einem Kurs, dass sie ruhiger, gelassener und präsenter geworden sind. Deshalb wäre unser wichtigster Tipp: Schau genauer hin. Die Natur zeigt uns meist mehr, als wir auf den ersten Blick wahrnehmen.

Lagerfeuer-Frage zum Schluss: Jemand sitzt gerade gemütlich auf dem Sofa, liest diesen Artikel und denkt: „Wildnistraining klingt spannend, aber das ist bestimmt nichts für mich.“ Was würdet ihr dieser Person sagen, um sie doch einmal nach draußen zu locken?
Dann bist du wahrscheinlich genau die richtige Person für uns! Viele Menschen glauben, sie müssten besonders sportlich, abenteuerlustig oder erfahren sein, um an einem Wildniskurs teilzunehmen. Und es gäbe nur Käfer zu essen! (Je nach Kurs kann das sein, aber das gilt nur für Ausnahmen. 😉)
Die Realität stellt sich eher so dar: Unser Ziel ist nicht, aus Menschen sofort echte Survival-Profis zu machen. Wir möchten ihnen zeigen, wie gut es tut, für ein paar Tage langsamer zu werden, am Lagerfeuer zu sitzen, unter Sternen zu schlafen, gemeinsam zu kochen und die Natur wieder bewusst wahrzunehmen. Wer das einmal erlebt hat versteht oft sehr schnell, warum Menschen seit über 25 Jahren zu uns kommen.
Man muss kein Outdoor-Profi sein. Man muss nur neugierig genug sein, den ersten Schritt vor die Tür zu machen.

Wildnis beginnt vor der eigenen Haustür
Das Gespräch mit Pascal Koch zeigt eindrucksvoll, dass Wildnis nicht nur etwas für Survival-Fans oder erfahrene Outdoor-Abenteurer ist. Vielmehr geht es darum, die Natur wieder bewusst wahrzunehmen, Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln und für eine Weile dem hektischen Alltag zu entfliehen.
Ob Feuer machen, Spuren lesen, unter freiem Himmel schlafen oder einfach nur die Stille des Waldes genießen – die Angebote von Wildnistraining.de bieten für Einsteiger ebenso spannende Möglichkeiten wie für erfahrene Naturfreunde. Vielleicht ist der wichtigste Gedanke aus diesem Interview aber vor allem: Man muss kein Experte sein, um die Natur zu erleben. Es genügt, neugierig zu sein und den ersten Schritt nach draußen zu wagen.
Weitere Informationen zu Kursen, Veranstaltungen und dem Wildniscamp in der Eifel findet ihr bei Wildnistraining.de Wer weiß – vielleicht sitzt ihr schon bald selbst am Lagerfeuer und sammelt eure ganz eigenen Wildnis-Geschichten.